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ZUGFeRD Extended oder XRechnung: was die öffentliche Verwaltung annimmt
Viele Rechnungsprogramme bieten ein Auswahlfeld mit Basic, Comfort, Extended und XRechnung — und manche empfehlen Extended. Für Rechnungen an Behörden ist das die falsche Wahl, und der Grund ist überprüfbar.
Der Befund
Am 12. September 2026 haben wir eine Datei aus dem öffentlichen Generator eines deutschen Buchhaltungsanbieters durch unseren Validator geschickt. Sie kam zurück als Factur-X 1.0 EXTENDED, CII, PDF/A-3B. Das Prüfergebnis: businessRulesEvaluated: false, kein passendes Szenario, keine Findings.
„Keine Findings“ heißt hier nicht „fehlerfrei“. Es heißt, dass gar nicht geprüft wurde. Die offizielle KoSIT-Konfiguration zur XRechnung kennt für die EXTENDED-Guideline kein Szenario, also läuft das Dokument ungeprüft durch. Ein Absender, der das als Bestätigung liest, hat seine eigene Kontrolle abgeschaltet, ohne es zu merken.
Das galt damals für jedes Prüfprogramm, das die offizielle Konfiguration unverändert benutzt — und es galt für uns. Seit dem 17. September 2026 nicht mehr: NormAPI ergänzt die Konfiguration um Szenarien für Factur-X/ZUGFeRD BASIC und EXTENDED und wertet beide gegen den EN-16931-Kern aus. Eine EXTENDED-Datei bekommt hier also echte Findings statt Schweigen. Am Rat unten ändert das nichts. Eine Behörde nimmt weiterhin keine EXTENDED-Datei an, und andere Prüfprogramme schweigen weiterhin dazu.
Nachgeprüft am 18. September 2026: Die heruntergeladene KoSIT-Konfiguration bringt für BASIC und EXTENDED weiterhin kein Szenario mit — unsere beiden werden beim Build ergänzt. Wer die Konfiguration unverändert einsetzt, prüft diese Profile also nach wie vor nicht.
Warum EXTENDED außerhalb des Regelwerks liegt
Es steht im Dokument selbst. Jede E-Rechnung trägt eine Kennung dafür, nach welchem Regelwerk sie gebaut ist, und die von EXTENDED endet auf #conformant#, nicht auf #compliant#. Das ist kein Versehen: EXTENDED liegt bewusst außerhalb des EN-16931-Kerns, damit es Felder tragen kann, die die Norm nicht vorsieht.
Im B2B ist das zulässig. Die deutsche E-Rechnungspflicht akzeptiert EXTENDED zwischen Unternehmen. Nur ist die Datei damit keine XRechnung — und ein Rechnungseingangsportal der öffentlichen Verwaltung, das eine XRechnung erwartet, weist sie zurück.
Die Profile der Reihe nach
ZUGFeRD und Factur-X sind dasselbe Format mit fünf Ausbaustufen. Nur drei davon sind überhaupt Rechnungen im Sinne der EN 16931 — und das entscheidet, ob ein Prüfer etwas zu sagen hat.
| Profil | EN-16931-Rechnung? | Was der Prüfer sagt |
|---|---|---|
| MINIMUM | Nein | Kein Szenario, keine Regel läuft. Das Ergebnis ist „nicht geprüft“, nicht „fehlerfrei“. |
| BASIC WL | Nein | Ebenso — eine Rumpfrechnung ohne Positionen ist keine Rechnung nach der Norm. |
| BASIC | Ja | Wird gegen den EN-16931-Kern geprüft. Die offizielle KoSIT-Konfiguration bringt dafür kein Szenario mit; NormAPI hat eines ergänzt. |
| EN 16931 (Comfort) | Ja | Der Kern der Norm selbst. Wird überall vollständig ausgewertet. |
| EXTENDED | Erweiterung (#conformant#) | Hier gegen den EN-16931-Kern geprüft. Bei Prüfern mit unveränderter Konfiguration: Schweigen. |
Was Sie wählen sollten
| Empfänger | Wählen | Warum |
|---|---|---|
| Behörde (B2G) | XRechnung | Das Einzige, was ein Verwaltungsportal sicher annimmt und was der deutsche Prüfer vollständig auswertet. |
| Unternehmen (B2B) | ZUGFeRD EN 16931 (Comfort) | Entspricht dem Kern der Norm und ist damit prüfbar. Der Empfänger kann sie automatisch verarbeiten, ohne Ihre Sonderfelder zu kennen. |
| Konzern mit Absprache | Extended | Nur, wenn der Empfänger es ausdrücklich verlangt und die Zusatzfelder auch liest. Rechnen Sie damit, dass kein Standardprüfer Ihnen dazu etwas sagt. |
Wie Sie sehen, was Sie tatsächlich verschicken
Nicht am Namen im Auswahlfeld — der ist Marketing des Herstellers. Öffnen Sie das XML und lesen Sie die Spezifikationskennung (BT-24): in UBL cbc:CustomizationID, in CII ram:GuidelineSpecifiedDocumentContextParameter/ram:ID.
<!-- XRechnung 3.0 -->
urn:cen.eu:en16931:2017#compliant#urn:xeinkauf.de:kosit:xrechnung_3.0
<!-- reines EN 16931 -->
urn:cen.eu:en16931:2017Steht dort #conformant# statt #compliant#, verschicken Sie eine Erweiterung und keine XRechnung. Fehlt die Kennung ganz, meldet der Prüfer BR-01.
Häufige Fragen
Ist ZUGFeRD oder XRechnung besser?
Die Frage hat nur mit dem Empfänger eine Antwort. An eine Behörde: XRechnung, weil das Portal nichts anderes sicher annimmt. An ein Unternehmen: ZUGFeRD im Profil EN 16931, weil derselbe Datensatz zusätzlich ein lesbares PDF mitbringt. Besser ist keines von beiden — es sind zwei Verpackungen desselben EN-16931-Kerns, und die Wahl entscheidet nur, wer die Datei lesen kann.
Welche Version von ZUGFeRD ist aktuell?
ZUGFeRD 2.5.2, veröffentlicht am 4. August 2026 vom FeRD — Factur-X 1.09.2 ist dieselbe Fassung unter französischem Namen. Für die Prüfung zählt aber nicht die Versionsnummer, sondern die Profil-Kennung im Dokument: die Zeile mit #compliant# oder #conformant#, die oben beschrieben ist. Eine Datei aus einem älteren 2.x-Generator scheitert nicht an ihrer Version, sondern am Profil, falls es das falsche ist.
Prüfen Sie eine Rechnung, die Ihr System heute erzeugt — der Bericht nennt Format, Profil und die Regelwerk-Fassung, gegen die geprüft wurde, und sagt ausdrücklich, wenn nicht geprüft werden konnte.